Wie kann man die monotheistischen Religionen zähmen?

Tragen Religionen den „Keim des Amoklaufs“ in sich?

Unwillkürlich fragt man sich, ob Terry Jones ein Einzelfall ist. Der fundamentalistische Prediger hatte angekündigt, mehrere Koran-Schriften öffentlich zu verbrennen (2010).

Ist er ein Radikaler, der schlimm über die Stränge schlägt, um auf sich aufmerksam zu machen? Ein einzelner Verwirrter, der gerne die Welt gegen sich aufbringt? Oder ist diese Art „Amoklauf“ nicht sogar grundlegend für die monotheistischen Religionen?

Folgt man den Ausführungen zeitgenössischer Philosophen und Psychologen wie Dr. Michael Schmidt-Salomon und Prof. Dr. Buggle so ist geistiger Radikalismus in den Heiligen Schriften der abrahamitischen Religionen anglegt. Eine extreme Weltsicht und finstere, sadistische Ethik stellt in ihnen in Wirklichkeit die dominante Lesart dar, wenn man diese Texte unvoreingenommen liest und sie nicht gegen den Strich bürstet, wie es liberale Religionsanhänger gerne tun, um das Unerträgliche angenehmer umzudeuten.

 Tatsächlich wurde die originale Luther-Bibel über die Jahre hinweg an über 3.000 Textstellen von der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) verändert mit zum Teil dramatisch sinnentstellenden inhaltlichen Umformulierungen, weiß der Religionskritiker Karlheinz Deschner zu berichten. Das sei geschehen, um die peinlichen, ausfälligen Textstellen zu entschärfen.

In halbwegs modernen und aufgeklärten Ländern verfängt die Missionierung mit dem drohenden Zeigefinger nur noch sehr mühsam, weshalb man durch selektive Zitate den Anschein zu erwecken sucht, dass es sich bei der eigenen Religion nur um einen „Ausfluß unendlicher Liebe“ handeln kann.
Der Psychologe Prof. Dr. Hans Schauer zählte und analysierte unter psychologischen Aspekten alle Textstellen in Talmud, Koran, Neuem Testament und Altem Testament, in denen von der „Liebe Gottes“ die Rede ist.

Tatsächlich wird praktisch ausnahmslos allen Anders- und Nicht-Gläubigen jegliche Liebe und Toleranz vorenthalten und dann auch noch mit Strafen gedroht, die jeden irdischen Folterkeller als netten Sommertagsausflug erscheinen lassen. Die Liebe Gottes gilt immer nur für die eigenen Schafe.

Das Problem ist nun, dass in „Guten Zeiten“ die Heiligen Texte der abrahamitischen Religionen positiv uminterpretiert werden. Brechen hingegen einmal „Schlechte Zeiten“ an, dann bieten diese textlichen Sprengkörper genügend Stoff für eine stramme Diktatur oder aber auch für einen Amoklauf alla Jones.

Soll die Sprengkraft dieser Texte langfristig entschärft werden, sollten die liberalen Religiösen die Heiligen Texte umschreiben in der Art, wie es die EKD vorexerziert hat. Das wäre die zentrale Forderung an liberale Religiöse sich dieser Sache anzunehmen – eine Humanisierung und Modernisierung ihrer Schriften! Und sich gegen die fundamenalistischen Lesarten nicht nur zeitweise durchzusetzen, sondern auch die Texte dauerhaft sozial akzeptabel zu machen.

Die Modernisierung der Texte kann man natürlich noch stärker betreiben als bisher. So sollten diese Texte von allen Textstellen bereinigt werden, wo zum Beispiel gegen Frauen und Homosexuelle gehetzt wird. Das wäre ein guter Anfang.
Auch sollten liberale Gläubige sich unbedingt von ihren radikalen „Brüdern und Geschwistern“ distanzieren und das lautstark. Ich habe noch nie davon gehört, dass sich evangelische Christen in Deutschland von den radikalen „waffentragenden Christen“ Amerikas distanziert haben, die auf „Abtreibungsärzte“ schießen.

Moslems sollten sich bei jeder Gelegenheit gegen das unsägliche Apostasieverbot (=Abfall vom Glauben) des Islam aussprechen. Solche anmaßenden Tabus und Todesdrohungen gegen die eigene Gemeinde sollten jeden liberalen Moslem oder aus diesem Kulturkreis stammenden Atheisten endlich dazu bringen, sich auch in der Öffentlichkeit bemerkbar zu machen.

Es ist immer schlecht, wenn Christen Moslems kritisieren oder umgekehrt. Die Kritik sollte möglichst von innen heraus erfolgen. Sehr gut war in dieser Hinsicht die Initiative des Zentralrats der Ex-Muslime. Mehr davon täte allen gut.

Was kann man noch gegen religiösen Fundamentalismus tun? Gegen religiöse Verblendung hilft nur  – Bildung!

Polizeiliche und militärische Maßnahmen in Deutschland oder weltweit können in diesem Punkt nichts bewirken und auch keine Sicherheit herstellen.
Schon gar nicht können sie Gewaltausübung gegen Religiöse und Moscheebauten verhindern. Gewalt – versteckte wie offene – befördert nur die Abwendung liberaler Muslime vom „westlichen Modell“.

Wollte man effektiv etwas gegen religiösen Fundamentalismus tun, sollte man in den Schulen unseres Landes damit beginnen. Helfen würde ein verpflichtender Religionskunde-Unterricht ohne Abmeldemöglichkeit, der den bisherigen konfessionellen Religionsunterricht ersetzt. In einem solchen Unterricht würde neben der Kenntnis der verschiedenen Religionen gleichrangig deren Kritik gelehrt. In allen Kulturkreisen gab es aufklärerische Philosophen, die es wert sind, zu Wort zu kommen.

Bisher machen Kinder in den Schulen eine „Diaspora-Erfahrung“. Jedes Kind lernt die – über das Elternhaus zugedachte – Religion für sich und damit die Religion als entzweiendes Element kennen. Damit wirkt sie nicht als Verbindendes. Das ist sehr schlecht für ein Gemeinwesen.

Auch ist es ein Unding, wenn Atheisten – etwa 30 Prozent der deutschen Bevölkerung gehören keiner Kirche mehr an – auch noch den geplanten muslimischen Religionsunterricht mitfinanzieren sollen. Es ist ja schon untragbar genug, den christlichen Religionsunterricht mitbezahlen zu müssen.

Ein Religionskunde-Unterricht für alle – verpflichtend – ohne Abmeldemöglichkeit sollte sowohl den Ethikunterricht als auch den konfessionellen Religionsunterricht ersetzen. Nur Bildung kann langfristig vor der Entwicklung des Fundamentalismus schützen.

Ach ja, und bitte sehr, Das Erste Gebot sollte künftig heißen: „Ich bin Dein Gott, Dein Herr. Achte und ehre allen Anderen neben mir wie mich selbst!“ Das wäre doch mal ein netter Herr. Dem würde ich schon eher einen Lolli abkaufen als dem ansonsten „einsamen alten Herrn im Himmel“.

MA pol D. Pavlovic
Erläuterung zum Video:
Am Beispiel des römischen Reiches lässt sich übrigens deutlich aufzeigen, dass monotheistische Religionen sich in eine tolerante Kultur nicht sinnvoll integrieren lassen. Der Gewaltcharakter der von ihnen ausgeht enthält zuviel „Sprengstoff“. Im vorherigen Blog-Artikel habe ich auf die Psychopathologie der monotheistischen Religionen hingewiesen, ein Aspekt der so noch kaum artikuliert wurde. Der römische Schriftsteller Kelsos sah voraus, dass das Christentum mit seinem universalen Anspruch die griechisch-römische Kultur vernichten wird. Leider hat dieser weise Mann recht behalten:

 

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2 Kommentare zu “Wie kann man die monotheistischen Religionen zähmen?

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