Der Philosoph Kelsos (175) über die Christen

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Quelle: Kelsos – Wikipedia Frankreich

Das Christentum im Lichte philosophischer Weisheit betrachtet – was weiß der Philosoph Kelsos im Jahre 175 n.u.Z. (nach unserer Zeitrechnung) zu berichten? In seiner Schrift „Alethes Logos“ schreibt Kelsos einige sehr bemerkenswerte Sätze über die Natur dieser damals neuen Religion.

Dazu sollte man wissen, dass man erst ab etwa einhundert nach Christus die christliche Religion überhaupt von der jüdischen unterscheiden kann. Da sich die Judenchristen – wie man sie damals nannte – erst langsam aus den jüdischen Gemeinden herauskristallisierten. Daher ist die Entstehung der Streitschrift des Kelsos – lediglich etwa 75 Jahre nachdem man überhaupt so etwas wie eine Art Indvidualität am Christentum zu entdecken vermochte – etwas besonderes. Es ist die älteste erhaltene Kritik gegen eine Religion welche sich kulturell als nicht integrierbar zeigte und kulturvandalistisch jeder anderen Religion die Existenzberechtigung absprach.

Trotz der besonderen religiösen Toleranz im griechisch-römischen Reich ist dieses Urteil eines gebildeten Zeitgenossen über die besonders intolerante Natur des monotheistischen Christentums entlarvend. Vor allem im Hinblick auf die Psychopathologie lohnt sich ein Blick auf die Worte Kelsos. Leider gilt auch hier: alles was wir über Kelsos Streitschrift Alethe Logos – Wahre Lehre – wissen, ist nur durch christliche Gegenschriften erhalten. Alle Original-Schriften sind Bücherverbrennungen der Christen zum Opfer gefallen.

Kelsos über die Christen (Quelle Wikpedia Deutschland):
– Es sei absurd zu glauben, dass sich die höchste Gottheit in einen menschlichen Körper begebe, noch dazu einen normalen und unauffälligen, dem man das Göttliche nicht ansieht, und dass Gott sich mit Bösem und Hässlichem abgebe und dem Leid aussetze. Außerdem sei nicht einsichtig, dass Gott dies erst zu einem bestimmten Zeitpunkt getan habe und nicht schon früher.
– Es sei unsinnig zu glauben, dass Gott sich um die Juden und die Christen mehr kümmere als um die übrige Welt und nur zu ihnen seine Boten entsende. Ebenso könnten Würmer oder Frösche sich einbilden, dass das Weltall ihretwegen bestehe und dass Gott sie gegenüber allen anderen Wesen bevorzuge.
– Wenn alle Menschen so wie die damaligen Christen sich der Beteiligung an der staatlichen Gemeinschaft verweigern würden, müsse das Reich zugrunde gehen; dann würden Barbaren die Macht übernehmen und jegliche Zivilisation und Weisheit vernichten. Auch vom Christentum bliebe dann schließlich nichts übrig.
– Dem linearen, eschatologischen Geschichtsverständnis der Christen stellt Kelsos eine zyklische Geschichtsdeutung entgegen. Nach seiner Überzeugung strebt die Geschichte nicht einem Endpunkt wie dem Weltuntergang und Jüngsten Gericht zu, sondern ist ein ewiger Kreislauf.
– Jesus drohe und schimpfe, weil er unfähig sei zu überzeugen.
– Die Christen seien ungebildet und betrachteten dies nicht als einen Mangel, sondern als ob es ein Verdienst wäre. Sie meinten, ein Ungebildeter habe besseren Zugang zur Wahrheit als ein Gebildeter.
– Es sei lächerlich, Gott menschliche Leidenschaften wie Zorn zuzuschreiben.
– Es werde nicht einsichtig gemacht, warum man glauben soll, sondern der Glaube werde als Voraussetzung für die Erlösung einfach gefordert.
– Der Teufelsglaube, also die Idee, dass Gott einen Widersacher habe, sei ein Zeichen von größter Ignoranz. Wenn es den Teufel gäbe und er die Menschen betrogen hätte, so gäbe es für Gott keinen Grund, den Betrogenen zu drohen; überhaupt drohe Gott niemandem.

Bei der Auswahl dieser Textstellen habe ich diejenigen ausgewählt die den ungebildeten, autoritär-herablassenden Charakter des Christentums aufzeigt. Kelsos stieß z.B. der menschlich unedle Charakter des Christengottes auf: Zornig und eliminatorisch, eifersüchtig – auch in Jesus auftreten.

Scharfsinnig ist Kelsos Aussage über die Nicht-integrierbarkeit der Christen in ein tolerantes Umfeld. Daher kann eine Zähmung monotheistischer Religionen nur über eine Korrektur ihrer Inhalte erfolgen. Siehe dazu meinen Blogeintrag vom 2. Oktober.

D. Pavlovic

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6 Kommentare zu “Der Philosoph Kelsos (175) über die Christen

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