Vom überwundenen Tode – leicht versprochen ….

Epikur - dessen philosophische Schule ein halbes Jahrtausend existierte

Epikur – dessen philosophische Schule ein halbes Jahrtausend existierte

… doch nie gehalten. Könnte man als Atheist auf die Frage anworten wie man es als „Ungläubiger“ mit ebendiesem halte. Die Antwort ist, dass die Überwindung des Todes eine überhebliche Idee der monotheistischen Religionen ist und ein gänzlich leeres Versprechen.

Jede Handwerkerrechnung wird kritischer geprüft als ein leeres Heils-, Erlösungs-, und Ewigkeitsversprechen.

Es ist ja auch so schön zu glauben, dass es immer weiterginge. Wobei auch das nicht zutrifft: Beutelt doch die Altersgebrechlichkeit den Menschen so sehr, mindert alle Fähigkeiten ab bis alte Menschen darüber klagen, warum sie denn nun noch nicht gegangen seien, aber alle ihre Freunde und Bekannte schon hinfort seien. Die Lebensunlust am Lebensende vertreibt zuverlässig alle unanständigen Phantasien das Leben noch gerne ewig weiter ertragen zu müssen. Zum Glück nehmen die Fähigkeiten nur allmählich ab, so dass auch dieses Schicksal bis zuletzt nur schwach wahrgenommen wird, es sei denn große Rückschläge kommen plötzlich und vermindern die Lebensqualität dramatisch.

Was kann dem Menschen die Angst vor dem Tod nehmen? Haben doch die monotheistischen Religionen als Kernversprechen die Überwindung der Vergänglichkeit als wohlfeile Dienstleistung in ihrem Katalog.

Statt die Menschen über ein ohnehin unausweichliches Schicksal zu betrüben und ihnen Angst zu machen um sie in die Arme der Kirche zu treiben, was könnte man alternativ dazu sagen?

Darauf pflege ich gerne zu antworten, ganz im epikureischen Sinne, dass der Tod eben kein Bestandteil des Erlebens ist. Jede Nacht, wenn man sich ins Bett legt und einschlummert verliert man das Bewußtsein. Es ist ein alltäglicher, völlig undramatischer Vorgang. Und niemand kann am Morgen sagen um genau welche Uhrzeit man eingeschlafen ist. Der Bewußtseinsverlust im Todesfall verhält sich analog: ist doch das Bewußtsein seiner selbst eines der evolutiv jüngsten Errungenschaften in der Entwicklung des Lebens und damit als spät entwickelte Funktion entsprechend anfällig: Stimmt etwas mit dem Gehirn oder dem Körper nicht, so ist der Bewußtseinsverlust sehr nah, oftmals funktionieren dann so grundlegende Dinge wie die Atmung und der Herzschlag noch und evolutiv ältere Teile des Gehirns wie das Stammhirn, das Bewußtsein aber schon nicht mehr. Nichts davon bekommt man dann mit, genausowenig wie das endgültige Ableben.

Natürlich fürchten sich Menschen vor einem langen Siechtum zum Lebensende hin und vor Krankheit und Gebrechlichkeit. Der Tod selbst aber ist kein Bestandteil des Lebens: man nimmt ihn nicht wahr und es lohnt sich daher nicht darüber allzuviele Worte zu verlieren oder die Sorge darüber übermäßig zu kultivieren. Die Instrumentalisierung der Angst vor dem Tode zum Zwecke der Missionierung ist daher hässlich und unmenschlich.

Gerne frage ich auch religiöse Menschen, die sich zum Gespräch anbieten, wie Sie sich dass denn vorstellen „für immer und ewig“ im Himmel zu sein, also „ewig“ zu leben? Ist doch unser unser Erleben an die körperliche Existenz geknüpft. Aber als körperloses, rein geistiges Wesen – dass kann man sich eigentlich nicht wirklich vorstellen. Sind dann alle irdischen Genüsse die an den Körper gebunden sind dann im „ach so tollen“ Himmelreich dann nicht erlebbar? Und wie kommt man in den Himmel? Jung und hübsch oder so alt und gebrechlich wie man kurz vor dem Tode war? Was ist, wenn man seine Jugendzeit aber als unbefriedigend empfand und erst im hohen Alter zu geistiger Stabilität fand, kehrt man dann wider willen als junger Mensch in den Himmel ein? Und, wer sagt, dass bei diesen kranken, monotheistischen Gottesvorstellungen – der Gott als zorniger Richter und Vernichter, als Sexualfeind ohne eigene Familie, also als zwangsgestörtem Psychopathen, das Zusammenleben mit so einem Wesen „für immer und ewig“ auf einer Wolke ein schöner Gedanke ist? Woher nehmen Christen z.B. die Chuzpe zu glauben, dass so ein ewiges Himmelsdasein erstrebenswert sein könnte? Dazumal begrenzte Menschen keine Vorstellung von der Ewigkeit haben. Ist nicht die Idee vom ewigen Schlaf viel angenehmer, wie er in der Vorstellung der meisten Menschen vorherrscht? Schließlich existierte man auch vor der Geburt „für eine Ewigkeit“ nicht und wieso sollte es nur wegen eines billigen Versprechens von religiösen Gruppen auch nach dem Tode nicht ebenso sein?

Jede Erfahrung bezüglich der Vergänglichkeit von Leben widerspricht dieser anmaßenden „für immer und ewig“-Vorstellung. (Siehe auch die Aussagen des Psychologen Prof. Dr. Hans Schauer zum Thema Religion und psychsiche Gesundheit). Das Leben ist endlich. Der Anspruch sein ganzes Leben als zutiefst strebender religiöser Mensch, fast zwanghaft darauf auszurichten einen Ewigkeitsstatus – gottgleich(!) – erlangen zu wollen ist eben alles andere als Bescheiden und realistisch. Um wieviel entspannter und bescheidener ist es für sich nicht unbedingt einen Vorteil erlangen zu wollen?

Zitate von Epikur zum Thema:

„Ferner gewöhne Dich an den Gedanken, daß der Tod für uns ein Nichts ist. Beruht doch alles Gute und alles Üble nur auf Empfindung, der Tod aber ist Aufhebung der Empfindung. Darum macht die Erkenntnis, daß der Tod ein Nichts ist, uns das vergängliche Leben erst köstlich. Dieses Wissen hebt natürlich die zeitliche Grenze unseres Daseins nicht auf, aber es nimmt uns das Verlangen, unsterblich zu sein, denn wer eingesehen hat, daß am Nichtleben gar nichts Schreckliches ist, den kann auch am Leben nichts schrecken.“

und

„So ist also der Tod, das schrecklichste der Übel, für uns ein Nichts: Solange wir da sind, ist er nicht da, und wenn er da ist, sind wir nicht mehr. Folglich betrifft er weder die Lebenden noch die Gestorbenen, denn wo jene sind, ist er nicht, und diese sind ja überhaupt nicht mehr da. “

Epikur im Urteil des Freidenkers Joseph Mc Cabe (A Biographical Dictionary of … Freethinkers):

Epicurus (B.C. 341-270), the sanest thinker of the Greek world

We have only fragments of the 300 works he wrote, which were burned by the Christians, but his sentiments are well known from other writers, especially Lucretius (See). The lead which Augustine gave the Christian world, that his was „a philosophy of swine,“ is a grotesque libel. He was a man of the most sober tastes, and the indulgence of sense was opposed to his ideal of life, which was tranquillity and friendship. He was a master of what science was known in his time and regarded it as the best antidote to superstition. Religious writers when they know the truth about his ideals, protest that he was no atheist. He was, like nearly all the Greek thinkers, a dogmatic materialist, but he said there might be gods, or a small colony of what we should call (material) supermen, in some remote part of the universe, not interested in the earth. Cicero quotes a contemporary saying that this was „by way of a joke.“ If he meant that it was just a way of evading the deadly charge of atheism it is probably true. See my sketch of Epicurus in the Hundred Men Who Moved the World . It was mainly the philosophy of Epicurus that ruled the lives of thoughtful Greeks and Romans from 200 B.C. onward, and it led to the greatest development of social idealism until modern times.“

MA pol D. Pavlovic, 04.11.2015

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