Was ist so komisch an diesen Christen?

 

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Die englische Wikipedia ist ein Schatz für den der sich für die Geschichte der religiösen Verfolgung der paganen Kultur interessiert. Für einen schnellen Einstieg findet man hier Artikel die z.B. in der deutschen Wikipedia nicht anzutreffen sind. So z.B. den Briefwechsel zwischen Plinius dem Jüngeren und dem römischen Kaiser Trajan darüber  wie denn mit den Christen zu verfahren sei, da diese sozial auffällig wurden. Es ist eines der wenigen authentischen Dokumente darüber das aufzeigt wie merkwürdig das Verhalten von Christen in den Augen römischer Staatsbürger war.

Nun was kam den Römern an „den Christen“ so komisch vor? Und welche waren die sozial auffälligen Handlungen?

In der Regel wurden Christen von ihren paganen Nachbarn beim örtlichen Präfekten angezeigt, weil sie offen die Verehrung der römischen Götter verhöhnten. Die Verehrung der Tradition der Väter und Vorväter war etwas das selbstverständlich zur römischen Staatsraison gehörte, dabei spielte es keine Rolle ob man auch Götter oder Göttinnen aus dem eigenen Kulturkreis verehrte, solange auch die Römischen nicht vernachlässigt wurden. Im Abgerlauben der Menschen spielte die Verehrung der Götter als Bringer von Glück eine elementare Rolle, ihre offene Verhöhnung mußte Unglück nach sich ziehen.

Was passierte dann?

Der römische Statthalter konfroniert mit den Vorwürfen der Anzeigesteller hatte kein Verfolgungsinteresse. Christen wurden nicht wegen ihres Glaubens aufgesucht und verfolgt, anonyme Anzeigen wurden abgelehnt. Nun muß man wissen, dass das römische Reich dramatisch unteradministriert war. d.h. die staatliche Ordnung wurde von nur wenigen Verantwortlichen geführt, es gab keinen Beamtenapparat wie er von heute bekannt ist. Vermögende, die sich um den römischen Staat verdient gemacht hatten leiteten mithilfe ihres privaten Vermögens die Staatsgeschäfte, das galt auch für den örtlichen Statthalter. Was tat dieser nun, wenn die Anzeigesteller Christen vor Gericht brachten? Er hatte ein grundlegendes Interesse diese Angelegenheit möglichst elegant und mit wenig Aufwand vom Tisch zu haben und so wurden die Christen von ihm als Autoritätsperson vor allen Anwesenden aufgefordert Opfer zu Ehren der römischen Götter und für den römischen Kaiser darzubringen und dem christlichen Aberglauben abzuschwören. Tatsächlich sahen die Römer im christlichen Glauben keine veritable Religion sondern einen hartnäckigen Aberglauben, bzw. Kult. Denn das Christentum gehörte zu keiner aus der Tradition überlieferten Religion und man sah in ihr lediglich eine „inflexible obstinacy (obstinatio) and stubbornness, (pertinacia)“. Das auffällige war an diesem Glauben also die Sturheit mit der an ihr festgehalten wurde und die Unverschämtheit mit der gleichzeitig dem römischen Staatskult die minimale Gefolgschaft verweigert wurde. (So wie als würde man heute die freiheitlich-demokratische Grundordnung ablehnen). Die meisten Christen konnten also durch das billige Zugeständnis des Opfers an den Staatskult sich aus der prekären Situation befreien, so ähnlich einfach wie wenn ein Angeklagter gefragt würde „nun geben Sie doch endlich zu, dass Sie nicht der Täter sind“ und würde bei einer Bejahung daraufhin ohne Konsequenzen freigelassen. Freigesprochenen Christen wurde nicht hinterhergschnüffelt ob Sie nur ein Lippenbekenntnis von sich gegeben hätten(!) Nur diejenigen die ablehnten mußten mit Strafe rechnen.

Bedenkt man nun, dass religiöse Toleranz im römischen Reich ein Prinzip höchster Staatsraison und eine Verfolgung aus religiösen Gründen unbekannt war, so ist die Anstachelung der christlichen Gläubigen durch ihre Priester in jedem Falle für ihren Glauben zu sterben und alle anderen Religionen zu verachten und dafür die Glückseligkeit als Märtyrer zu erlangen eine Aufhetzung zu intolerantem und selbstschädigendem Handeln. Die alten heiliggesprochenen christlichen Kirchenväter aus dieser Zeit machten nie einen Hehl aus ihrer offenen Verachtung für die tolerante, gebildete griechisch-römische Kultur.  Zieht man in Erwägung, dass es damals keine Betreuung für psychologische Erkrankungen gab, so kann man annehmen, dass die Menschen die sich zu extremen (Endzeit-) Religionen wie der Christlichen hingezogen fühlten entweder an Schizophrenie litten oder eben Opfer einer religiösen Fehlorientierung waren. Über die enge Beziehung von (monotheistischem) Glauben und psychischer Erkankung hat der Psychologe Hans Schauer ausgeführt und kontrastierend erläutert (vgl. in Bezug auf die Gerichtssituation):

Für die Gesunden war insgesamt kennzeichnend, “Kompromisse zu schließen, Gegensätze abzuschwächen und das, was nicht abgeschwächt werden kann, zu ignorieren” (S. 145). Statt nur über das ideale Ziel selbst nachzudenken, befassen sie sich direkter mit dem einen oder anderen faktisch beschreitbaren Weg dort hin; gegenüber dem Sollen berücksichtigen sie auch genügend, ob einer das Gesollte überhaupt realisieren kann. Sie konzentrieren ihre intellektuellen Energien auf das Finden und Anwenden von wirksamen Mitteln, sie suchen und wählen einen zielführenden Weg, und zwar bevorzugt einen, der sie in absehbarer Zeit zu Nahzielen führt, während sie über Fernziele weniger nachdenken (S. 103/104).

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Dabei spielt für sie [die psychisch Gesunden] das Miteinanderleben eine große Rolle. Weltanschauung ist für sie “ein Konzept, das durch eine Gruppe von Menschen in Zusammenarbeit und gegenseitiger Beeinflussung und mit Rücksichtnahme auf die Gruppe realisiert wird” (S. 145), und zwar keineswegs einheitlich. Spätestens nach diesem Plädoyer für Pluralität sollte es klar sein, dass es “die” Weltanschauung der seelisch Gesunden als Ganzes nicht gibt und nicht geben kann. Eher schon gibt es eine gesunde Art, die Welt so oder vielleicht auch anders anzuschauen. Die Gesunden orientieren sich weitgehend an dem, was den Menschen ihres sozialen Umfeldes im Laufe der Zeit selbstverständlich geworden ist, ob es nun in heiligen Büchern geschrieben steht oder nicht.

Als die Christen die Macht im Reich ergriffen mithilfe des Kaisers Theodosius I. (391. n.u.Z.) gab es allenfalls etwa fünf Prozent Christen im römischen Reich, sie begannen ohne zu zögern mit der Zerstörung der antiken Heiligtümer und der Verfolgung aller anderen Religionen. Die Situation war prekär. Die  römischen Kaiser waren Garanten des Religionsfriedens und der religiösen Toleranz, mit dem Verlust dieser Toleranz begann der Abstieg des römischen Reiches, siehe das erläuternde Video:

Und man sollte nicht vergessen: Das schlechte Beispiel „Christentum“ war die Blaupause für den etwa 200 Jahre später entstandenen Islam. In der Antike hingegen brachte jedes Volk seine eigene Religion mit, Proselytentum war unbekannt. Dass Religionsfrieden durch Vereinheitlichung nicht funktioniert ist eine Tatsache der Geschichte. Alle Phantasien die Menschen zu befrieden indem sie unter das Dach einer einzigen Religion schlüpfen kann getrost als das benannt werden, was es immer war: Aggression.

obige Bildquelle: Kaiser Trajan, Wikipedia Deutschland

Anmerkung zur Authentizität der Trajan – Briefe hier klicken (9. Juni 16)

Dragan Pavlovic 7.02.2016

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2 Kommentare zu “Was ist so komisch an diesen Christen?

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