Libanios‘ Rede für den Erhalt der heidnischen Tempel

 

Sie erinnern sich an die empörende Zerstörung der Buddha-Statuen von Bamiyan in Afghanistan durch monotheistische religiöse Fanatiker? An die Zerstörung der historischen Kulturgüter von Timbuktu durch Islamisten? Genau in diesem Stil zerstörte der christliche Mob – Angeführt durch Bischöfe – hunderte und abertausende antiker Skulpturen, Tempel und Heiligtümer in ihrem monotheistischen Wahn. Das Christentum war religionsfeindlich schon in seinen Anfängen.

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In eckigen Klammern [] Hinzufügungen zum besseren Verständnis.

Libanios, einer der größten Redner der Spätantike über „Religionsfreiheit, Recht und Toleranz“ spricht zum römischen Kaiser [Theodosius] zwecks Erhalt der letzten Tempel der alten griechisch-römischen Religion.

Quelle: Für Religionsfreiheit, Recht und Toleranz: Libanios‘ Rede für den Erhalt der heidnischen Tempel, Verlag Mohr Siebeck, 2011

Libanios konstatiert, dass viele wertvolle heidnische Tempel bisher vom wütenden Mob der Christen zerstört wurden und nur noch einige wenige den Furor der Zerstörung überlebt haben. Libanios Appell an den römischen Kaiser ist der Versuch der Rettung dieser letzten noch zu erhaltenden Kulturgüter.

Zitat Seite 45

…. Bereise die ganze Erde, die die Römer bewohnen, und überall wirst Du diesen Zustand vorfinden, da es selbst in der Stadt, die nach der größten die erste ist [Konstantinopel], noch einige Tempel gibt, wenn Sie auch ihrer Ehren braubt sind; nur wenige sind es von (einst) sehr vielen, doch ist dieses Element [die heidnischen Tempel] noch nicht vollständig aus ihr verschwunden.“

Libanios bezüglich des üblichen Vorgehens römischer Eroberer in fremden Gebieten: Zwar wurden Schätze geraubt, aber die Religion des eroberten Landes wurde niemals angetastet.

Zitat Seite 45

…. doch änderte er (der Eroberer) nicht eine Einzelheit an den rechtmäßigen Formen der Götterverehrung. So herrschte in den Heiligtümern jetzt zwar Armut, doch konnte man sehen, dass alles andere (in den Kulten) weiterhin vollzogen wurde.“

Libanios an den Kaiser bezüglich der Auswirkung der desaströsen Zerstörung alter Kulturgüter und Tempel. Unter religiösem Vorwand wird die ländliche Bevölkerung mit ausgeraubt:

Zitat Seite 49

In solcher Weise wirkt sich auf die wichtigsten Staatsangelegenheiten aus, was die mutwillige Zerstörungswut dieser Leute den ländlichen Gebieten antut; sie behaupten zwar, gegen die Heiligtümer Krieg zu führen, doch ist dieser Krieg (in Wahrheit) eine Quelle des Gewinns, da die einen über die Tempel herfallen, während die anderen den armen Bauern ihr Hab und Gut rauben… „

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Libanios über die Nichtsnutzigkeit der neuen christlichen Räuber die selbst nicht arbeiten:

Zitat Seite 49

Und doch sind auch diese Deine Untertanen, mein Kaiser, und sie sind um soviel nützlicher als diejenigen, die ihnen Unrecht tun, wie es nun mal Arbeiter gegenüber Nichtstuern sind; die einen nämlich gleichen den Bienen, die anderen den Drohnen.“

Libanios über die freche Selbstrechtfertigung des christlichen Mobs welche er Räuber nennt.

Seite 51

Denn Räuber versuchen versuchen verborgen zu bleiben und leugnen die Verbrechen, die sie wagen, und wenn man sie Räuber nennt, beleidigt man sie; diese aber sind noch stolz darauf und brüsten sich damit, unterrichten davon diejenigen, die ihre Untaten nicht kennen, und behaupten, sie verdienten noch Belohnung dafür!“

Libanios über die wohl herausragend ethisch und menschlich niedrige Gesinnung des christlichen Mobs, angeführt von christlichen Bischöfen. Sie scheuen sich nicht Täter zu Opfern zu machen und Opfer zu Tätern zu erklären:

Zitat Seite 51

Sie lügen wenn sie dies behaupten, mein Kaiser: Niemand nämlich ist so dreist von diesen im gesellschaftlichen Leben völlig unerfahrenen Menschen, dass sie beanspruchen würden, über dem Gesetz zu stehen…“

Zitat Seite 55

Nein: So viele Heiligtümer so vieler ländlicher Gebiete sind durch ihren Frevelmut, ihre an Betrunkenheit erinnerndes Wüten, ihre Gier und ihren Unwillen, sich selbst zu zügeln, ausgelöscht.“

Libanios über den Unsinn der Zerstörung kulturell wertvoller Güter aus religiöser Verblendung heraus:

Zitat Seite 69

Nicht wahr, die Tempel sind doch kaiserlicher Besitz, wie auch das übrige? Den eigenen Besitz aber zu versenken – sieh zu, ob dies das Verhalten vernünftiger Leute ist. Jedenfalls ist der, der seine Geldbörse ins Meer wirft nicht bei Trost, und auch ein Steuermann nicht, wenn er das Tau durchschneidet, dessen Schiff das bedarf … wenn aber ein Regierender eine Stadt um einen so bedeutenden Bestandteil [die Tempel] unattraktiver macht, hat er dann eine große Wohltat begangen? Warum muß man denn etwas zerstören, dessen Funktion man neu bestimmen kann? Und ist es nicht eine Schande, daß ein Heer gegen die Steine eigener Bauten Krieg führt?“

„Auf der Grundlage des literarischen und archäologischen Befundes kann es keinen Zweifel geben, dass die Christianisierung des Römischen Reiches und des frühmittelalterlichen Europas mit der Zerstörung von Kunstwerken einherging in einer Größenordnung, die man in der Geschichte der Menschheit nie zuvor sah.“

– Sauer (2003), S. 157 (Wikipedia Deutschland)

Bildquellen: Amazon (Buchumschlag), Wikipedia Deutschland (Zerstörte Statue von Bamiyan), Wikpedia Frankreich (Bild von Libanios)

Dragan Pavlovic   14.06.2016

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