Wie die (monotheistische) Religion die politische Kultur vergiftet

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Das Reformationsjubiläum welches nächstes Jahr gefeiert wird motiviert Historiker dazu gute Bücher zu schreiben. Das neuerschienene Buch von Tillmann Bendikowski „Der deutsche Glaubenskrieg: Martin Luther, der Papst und die Folgen“ greift eine These auf die sonst vom Wissenschafts-Mainstream ignoriert wird aber sehr tauglich ist um heute so unversöhnlich ausgetragene Konflikte in der Welt besser zu verstehen: Dass das Christentum mit seinem Starrsinn auch die politische Kultur geprägt und dieser geschadet hat. Doch lassen wir Bendikowski selbst zu Wort kommen:

Was ich allerdings beschreibe, ist noch viel dramatischer, nämlich dass dieser konfessionelle Glaubenskrieg ein negatives Vorbild war für andere Heilsgemeinschaften. Als die Menschen aus den Kirchen austreten im 19. Jahrhundert – was wir Säkularisierung nennen – verlassen sie nicht einfach nur die Kirchen, sondern sie nehmen die Erfahrung, die Rituale, die Sprache mit hinaus in die Welt und gründen neue Heilsgemeinschaften, politische, weltanschauliche, auch kirchliche und religiöse, in denen sie ähnlich rigoros agieren mit dem Anspruch auf Wahrheit und Sinn wie die alten Kirchen. Das heißt, der deutsche Glaubenskrieg geht auch in die Welt hinaus und die Erfahrung des konfessionellen Dauerkonfliktes verseucht auch die politische Kultur in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert. Eine Kultur der Unversöhnlichkeit, der Kompromissunfähigkeit, der Einteilung der Welt in Gläubige und Ungläubige ist das bittere Ergebnis.

Bendikowski schreibt weiter über den Ursprung der Konflikte der letzten 500 Jahre: „… komme allerdings zu dem ernüchternden Ergebnis, dass es vor allem religiöse Gründe sind, die die Deutschen gegeneinander in den Krieg trieben.

Die Wirkung der Religion bis heute: „… man vollzog eine konfessionelle Trennung weltlich nach und schuf damit neue soziale und politische Probleme, die dann nicht mehr aus der Welt zu schaffen waren.

Und weiter: „Wenn wir das realisieren, wie sehr wir selbst Kinder von Gotteskriegern sind, über die Jahrhunderte gedacht, dann kann uns das auch lehren, was wir in der Gegenwart machen, wenn wir auf andere Gotteskrieger oder Kinder von Gotteskriegern treffen.“ und „Ich weiß nicht, ob dieser Dämon des Konfessionalismus wirklich tot ist. Vielleicht schläft er nur.

Das stützt auch die These dass die politischen Religionen wie z.B. der Faschismus und der Kommunismus eine Folge religiös vorgelebter und somit historisch eingeübter Intoleranz sind. Diese These wird gerne von religiöser Seite in einer Art „Täter-Opfer-Umkehr“ vermeintlich säkularen Kräften umgekehrt untergeschoben. Wer sich in die Debatte vertiefen möchte, findet beim Humanistischen Presseportal HPD umfangreiche Lektüre dazu: Religiöse Denkstrukturen in der Politik, Wer behauptet, Atheisten=Mörder?, Ohne Gott ist alles erlaubt (hierzu gibt es eine ganze Serie von Artikeln beim hpd), wer z.B. die körperfeindliche christliche Sexualmoral in der kommunistischen Kultur wiederfinden möchte, lese „Wege der Erniedrigung“.

Nicht jede Form von Religion führt zu intolerantem Denken. Eine sehr hohe Kulturstufe erreichte das Abendland unter der religiös toleranten griechisch-römischen Kultur, hier als Beispiel:

Bildquelle: religionsfreiezone.de (Giordano Bruno Stiftung)

24.10.2016, Dragan Pavlovic

 

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Ein Kommentar zu “Wie die (monotheistische) Religion die politische Kultur vergiftet

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